Reiseberichte

Einmal Karditsa und zurück...

...oder : on the road again …

Es sollte ein Wochenende für die Hunde sein . Ein ganzer Tag im Tierheim Karditsa, um die Hunde dort kennenzulernen, sie besser einschätzen zu können und ihnen damit den Weg in ein neues Zuhause zu ermöglichen.

Der Flug nach Thessaloniki ist wirklich kein Problem, kaum 2,5 Stunden und schon ist man in einer anderen Welt . Griechenland ist kilometermäßig keine große Distanz , und doch taucht man sofort bei der Ankunft jedesmal wieder in einem neuen Universum auf.

So kommt es zumindest mir vor.
Sofort beginnt das Umdenken – dort ist eben alles anders! Und man muss sich darauf einlassen, das ist die einzige Möglichkeit alles wenigstens halbwegs zu verdauen.

In Saloniki angekommen wartete schon Kostas auf uns. Um Evi in Kavala alles ein wenig zu erleichtern hatte er sich bereit erklärt uns an diesem Wochenende zu begleiten und mit uns nach Karditsa zu fahren.
Eine sicherlich nicht selbstverständliche Aktion, denn er hat ja schließlich selbst in Kavala so viele Tiere zu versorgen und mehr als genug eigene Arbeit !
An dieser Stelle unseren herzlichsten Dank ;-)

Normalerweise beträgt die Fahrzeit von Thessaloniki nach Karditsa an die 3,5 Stunden...aber was ist schon normal ? ;-)
In Griechenland ein sehr seltener Zustand …

Zur Zeit, und das seit Monaten !!! , streiken die Bauern und besetzen die gängigen Autobahnen, sodass niemand sie benutzen kann, sondern über die natürlich viel längere und furchtbare Strecke der Landstraßen fahren muss.

Landstraßen, das bedeutet in Griechenland keinerlei Beleuchtung , kaum Beschilderung und Straßenverhältnisse die jeder Beschreibung spotten...
Und das in den Bergen, immer schön nah am Abgrund ;-)
Wie dankbar waren wir für einen erfahrenen, griechischen Fahrer !

Kurz vor dem Ziel war es dringend nötig irgendwo eine Toilette zu finden...wir machten Halt in Larissa, einer einigermaßen großen Stadt. Da es dort ein Einkaufszentrum gab versuchten wir unser Glück und betraten die Halle. Was wir dabei nicht bedachten : Kostas hatte seinen eigenen Hund, Charly , mitgebracht. Und natürlich musste auch er sich ein wenig die Beine vertreten. Selbstverständlich wurde er an die Leine genommen und wir gingen alle zusammen hinein. Nur Kostas kam leider nicht weit...er hatte halt ein 12 kg schweres Ungeheuer bei sich! Die Menschen warfen uns Blicke zu die hätten töten können, Mütter nahmen ihre Kinder an die Seite und beschützen sie .
Bis ein Sicherheitsbeamter Kostas mitsamt seines wilden Wolfes kurzerhand hinaus warf.
Wir freuten uns wieder einmal griechische Gastfreundlichkeit zu erleben...

Gut, nach ca 5 Stunden hatten wir doch noch glücklich unser Ziel erreicht : Karditsa .
Da es schon weit nach 23 Uhr war konnten wir nur noch schnell ein Häppchen essen und dann die Hotelzimmer beziehen. Am nächsten Morgen sollte es schließlich früh los gehen – das Tierheim !!!

Pünktlich um 8 fuhren wir los, es ist zum Glück nicht sehr weit und wir kamen recht schnell dort an.
Eine Überraschung erwartete uns schon vor dem Tierheimtor : Ihre Spenden waren einen Tag zuvor angeliefert worden und wir konnten zusammen mit Evi den Transporter mit den beiden Paletten entladen ;-)
Schnell legten wir unsere „Tierheimkleidung“, bestehend aus Gummistiefeln und Regenhosen an, denn auf Grund der Bilder wussten wir ja was gleich auf uns zukommen würde...

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Es gibt dort einige Tiere die vor dem Tierheim leben , und das seit langer Zeit – oft ist es dort sicherer als im Inneren...
Hope , die liebe, alte Hündin begrüßte uns zärtlich. Evi hatte sie vor einiger Zeit im Straßengraben gefunden, ein Ohr voller Maden ...zerfressen und völlig zerstört. Abgemagert und kaum lebensfähig...
Das Ohr musste ihr amputiert werden , es war nichts mehr zu retten.
Nun wiegt sie schon zu viel ;-) Ihr Fell ist ganz wunderbar gewachsen, sie sieht sehr gesund aus und sie ist voller Lebensfreude- dankbar dass sie dort in einer Ihrer Hundehütten wohnen darf !

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Auch Penelope und noch weitere Hunde leben dort, in Eintracht mit einem großen, weißen Kater …

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Am Tor warteten schon die Hunde – wir konnten es nicht erwarten hineinzugehen und ließen die Spenden Spenden sein ;-)
In den nächsten 2 Stunden kümmerte sich Kostas um alles und schleppte Karton für Karton hinein .

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Mit natürlich großem „Hallo“ und Gebell wurden wir empfangen !
Im Eingangsbereich leben einige Hunde , zum Beispiel Tzobana ,Chillie,Quincy, Liza, Sky, Karl und Karla, Wula, Nikitas, Ikaros, Tina und Paulina .

Nikitas , auf Grund seiner Blindheit , verbellt unsicher fremde Menschen...natürlich, er weiß ja nicht was um ihn herum geschieht...dennoch neugierig hielt er sich immer irgendwo in der Nähe auf- in gebührendem Abstand.

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Liza – die „Mutter der Nation „ - hat alle ihre Untertanen im Griff ;-) Immer auf Wachposten schaut sie dass alles seine Ordnung hat und weist freche Jungspunde auch mal zurecht. Streicheleinheiten ist sie aber nicht abgeneigt und geniesst diese auch sehr ;-)

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Quincy – ein so wundervoller, intelligenter und lieber Junghund dem sofort alle Herzen zuflogen, wich uns nicht mehr von der Seite und genoss jede Zuwendung .

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Tina : sie hatte ich bereits im Oktober 2008 kennengelernt ...damals war sie frisch operiert. Evi hatte sie nach einem Autounfall an einer Straße gefunden. Vorder und Hinterbein waren gebrochen und operiert worden. Zu der Zeit bewegte sie sich langsam und bedächtig, war so liebebedürftig dass ich das Gefühl hatte sie krieche fast in mich hinein...
Naja- liebebedürftig war sie noch immer ;-) Aber ganz und gar nicht bewegungseingeschränkt ;-) Voller Lebensfreude tobte sie durch die Gegend und konnte nicht genug von uns bekommen- endlich mal jemand der ein wenig Zeit mitbrachte ;-) Tina ist ein ganz wundervoller, fröhlicher und liebevoller Familienhund !!!

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Karl und Karla flössten uns erst einmal Respekt ein, auf Grund ihrer Größe!
Karla muss um die 60 cm Schulterhöhe haben und Karl sicher an die 70 cm ;-)
Doch der erste Eindruck trog : beides sind Riesenbabies mit dem Glauben sie seien Schoßhündchen ;-)
Tolle, bildschöne Geschwister die sich mit allen und jedem verstehen, ohne auch nur den Ansatz einer Agression zu zeigen...würdevoll und gemütlich schunkeln sie sich ihren Weg – bis zu ihren Menschen;-)
Karla liebt es Ohren zu putzen und sich von hinten anzuschleichen um einem mit ihrer zärtlichen Riesenzunge einmal quer durch's Gesicht zu fahren ;-)
Karl hatte vor mit mir zu spielen und forderte mich gebückt zum Toben auf ...zuerst bin ich darauf eingegangen, aber da er etwas unsicher war habe ich es lieber gelassen ;-) Körperlich doch etwas unterlegen und den Hund nicht genügend kennend habe ich lieber verzichtet;-)
Ein tolles Gespann die beiden!!!

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Tzobana hat sich toll gemacht – beim letzten Besuch konnte man sie nicht anfassen, sie ist geflüchtet...dieses mal zeigte sie sich von einer sehr Menschen zugetanen Seite und war dankbar für jede Streicheleinheit...sehr ruhig und gelassen , aber immer dabei ;-)
Wula hockte in ihrer eigenen Hundehütte ;-) Neugierig steckte sie ihr Köpfchen zu uns heraus und ließ sich streicheln...auch sie ist blind und daher sehr unsicher...

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Sky – dieser wundervolle Setter ...auch er hat mittlerweile gelernt wie lieb Menschen sein können! Er lässt sich zu gerne anfassen und sucht menschliche Nähe...da er taub ist scheint eine Vermittlung fast unmöglich, aber es ist doch nur so ein kleines Handycap...
Ein Setter, der gerne Vögel und Hasen jagt, kann doch sowieso kaum von der Leine und braucht einen eingezäunten Garten zum Austoben...ob er nun taub ist oder nicht – mit einem Zweithund ist das doch kein Drama. Auch alte Hunde werden schwerhörig oder gar taub ! Man kann mit ihnen toll kommunizieren wenn man sie auf Sichtzeichen konditioniert …
Gut- es ist Arbeit und eine Aufgabe- aber keine Unmöglichkeit!

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Die einmalig schöne, wunderbare Paulina...auch sie angeblich taub- aber Frau Lange fiel auf dass ihre Ohren so verdreckt sind und entzündet – vielleicht hat sie nach sorgsamer Therapie doch noch eine Chance auf ein wenig Hörvermögen !!! Sie muss schnellstens nach Deutschland , um ihr helfen zu können...
Pointer an sich sind immer wundervolle Hunde, NUR lieb, anhänglich und sensibel...wahre Schätze …
Paulina leidet im Tierheim, sie zieht sich alleine in einen Schuppen zurück und macht einen schwer unglücklichen Eindruck...in der Zeit als wir dort waren suchte sie unsere Nähe. Als wenn sie uns um Hilfe bitten wollte ...“schaut wie ich leben muss...bitte gebt mir eine Chance...“

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Und schon begann es an uns zu nagen:-(
All diese wunderbaren Hunde konnten wir nicht mitnehmen, und wir waren doch erst am Anfang, hatten noch nicht einen einzigen Hund in den übrigen Ausläufen gesehen oder angefasst und beschmust...und es waren doch sooo viele...
Wo sollte man anfangen ?

Zuerst die Welpen...mittlerweile wussten wir warum wir Gummistiefel und Regenkleidung angezogen hatten- der Matsch steht kniehoch, die Gummistiefel versinken ein um's andere mal tief und man muss aufpassen wohin man tritt.
Durch das stehende (stinkende) Wasser sieht man darunterliegende Löcher nicht...
Die süßen Kleinen...alle wollen Aufmerksamkeit und hüpfen an uns hoch. Zum Glück haben sie eine trockene Hundehütte in welche sie sich zu gerne zurückziehen- natürlich nicht in dem Moment als sie uns sahen;-)
Überrascht hat uns Simon – so ein bildhübsches und nettes Kerlchen! Freudig und kein Stück ängstlich.
Die Geschwister von Filaki sind sehr zart und werden sicher nicht so groß wie erwartet...noch etwas vorsichtig aber freundlich und neugierig ;-)
Wir müssen weiter...

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Aiolos und Thauma sind scheu, richtigen Kontakt wollen sie nicht- sie kennen es einfach nicht !
Im nächsten Gehege der „verrückte“ Micky ;-) Ein ganz netter Hund, aber etwas aufdringlich;-)
Er müsste viel Beschäftigung haben, ein Hund für sportliche Menschen die Hundesport machen möchten und ihm noch viel für's Leben beibringen;-)
Vor seinem Gehege, in die Ecke gedrückt, ein neuer Hund – so furchtbar ängstlich dass er sich nicht bewegt und glaubt er ist unsichtbar...wir lassen ihn in dem Glauben um ihn nicht noch mehr zu stressen und gehen weiter.

Da Evi beschäftigt ist gehen wir beide alleine durch das Tor zu den Gehegen. Auch in den Gängen laufen die Hunde frei. Kaliopi sucht Kontakt und freut sich dass wir sie besuchen, scheu aber lieb;-)
Wir kommen nicht weit, denn ein Herdenschutzhund findet es nicht so toll dass Fremde sein Gelände betreten und zischt am Rand an uns vorbei- haarscharf.
Zuerst beachten wir ihn nicht, aber sein Gehabe wird eindringlicher, er fixiert und stellt uns...
Wir kehren lieber um und überlassen ihm sein Reich;-)
Mit einem 40 kg Hund der sein Zuhause beschützt ist nicht zu spaßen...

Wir wollen uns lieber Begleitschutz holen und fragen Evi ob sie mit uns geht;-)
Das ist dann ok für ihn , seine Leute geben das OK dass wir hineindürfen und sind dabei...

Zuerst sehen wir Renos, Lapas und Simba...
Der wundervolle Simba kriecht in uns hinein , bittet uns förmlich ihn anzufassen, zu beschmusen und doch bitte, bitte mitzunehmen...
Seine Beinverletzung hat sich verschlimmert, er scheint Schmerzen zu haben und humpelt stark. Das Wasser und der Matsch ist da sicher nicht förderlich:-(
Renos ist freundlich, sehr ruhig und zurückhaltend. Kein aufdringlicher Hund- ganz im Gegenteil. Lapas – ein kleiner, freundlicher Macho der wohl die Rolle des Chefs in dem kleinen Rudel verkörpert,-)

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Durch eine kleine Zwischentüre geht es zu Fee, Maria , Valentino, Kanelitsa. Allesamt tolle Hunde...der Matsch spritzt uns mittlerweile in die Augen, wir müssen auf die Kameras aufpassen die auch schon völlig eingematscht sind- nicht einfach unter den Umständen Fotos zu machen...
Fee – ein klein wenig verrückt aber sehr liebenswert ;-) Die große Narbe an ihrer Seite erzählt eine eigene Geschichte ( sie wurde als Welpe hinter einem Auto hergeschleift...)

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Im Zwischengang der liebenswerte Polis ...Kaliopi , Nina , der kleine, süße Wirbelwind Kanella …
Über die kleine Kanella kann man sich nur wundern- schon so lange Zeit überlebt sie dort, obwohl sie so klein und unterwürfig ist- oder vielleicht gerade deshalb! Sie ist zu flink als dass sie von den anderen Hunden erwischt werden könnte...und sehr schlau ;-)

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Im nächsten Gehege die nächsten Hunde, alle um uns herumhüpfend, voller Freude dass Besuch zu ihnen kommt,-)
Die kleine, ganz süße Anastasia...sie hatten wir uns viel größer vorgestellt und haben sie auch nicht erkannt!
Zwischen Schlamm aus den Augen wischen, Kamera einigermaßen sauber halten ( oder es zu versuchen ;-) drängen sich die Hunde an uns...
Jake ist auch viel kleiner als erwartet, sehr lieb, aber irgendwie sieht er noch immer schlecht aus...irgendetwas scheint nicht mit ihm zu stimmen- aber er freut sich wahnsinnig über uns ;-)
Ein wunderschöner, lieber und vorsichtiger Junghund mit Bersteinaugen – Noah- versucht auf sich aufmerksam zu machen und weicht kaum von unserer Seite .Wieder so ein toller Familienhund …
Ein griech. Schäfermix ist eher zurückhaltend aber freundlich...
Ein kleines Mädchen- ähnlich unserer Sofie- flitzt freudig und aufgeregt um uns herum und sucht unsere Nähe...
Perla sitzt auf ihrem Aussichtsturm und wedelt was das Zeug hält, traut sich aber auch nicht so richtig, bis ich sie mir schnappe und sie im Arm halte...so ein liebes Mädchen...

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Doch viel Zeit haben wir nicht, wir müssen ja noch zu so vielen anderen !!! Im nächsten Gehege warten auf uns Ellis und Noemi, Sofie und Ricky.
Dort spielte sich ein Drama ab : Ricky stand bauchtief im Wasser...das Köpfchen auf einer Holzlatte aufgestützt. Er konnte kaum noch stehen und drohte jeden Moment umzufallen und in einer 20 cm tiefen Pfütze zu ertrinken!
Evi schnappte ihn sich sofort und ging ohne weitere Worte hinaus- sofort zum Tierarzt!
Später stellte sich heraus dass der Kleine einfach „nur“ an Unterkühlung litt, bei 20 Grad Lufttemperatur...aber durch das Wasser war er total ausgekühlt und hätte nicht mehr lange überlebt :-(
So ein lieber, kleiner Junge ...wir hatten viel Glück dass wir an diesem Tag in diesem Moment dort waren, es hätte sonst niemand bemerkt...
Ellis und Noemi, die beiden Schwestern von Quincy – wie ihr Bruder sind es ganz, ganz wundervolle Junghunde! Mit den allerbesten Voraussetzungen tolle Familienhunde zu werden ! Sie sind nicht nur alle 3 bildhübsch, sondern auch lieb sondersgleichen ...eine Schande sie in diesem Matsch zu sehen:-(
Sofie ist freundlich und möchte gerne Kontakt, traut sich aber nicht so richtig und wirbelt immer um einen herum;-) Süße Maus...

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Weitere Gehege ziehen an uns vorbei, manche können wir nicht betreten weil die Türen defekt sind, oder es einen Hund im Inneren gibt der nicht allzu freundlich ist mit Fremden...bei dieser Menge von Tieren – man kann sich einfach nicht jeden einzelnen so genau ansehen:-(
Schlechtes Gewissen mischt sich mit Trauer …

Im Gehege mit Firfiris befinden sich 3 fast gleich aussehende, schwarze Jungs. Vielleicht Setter/Labrador Mixe, irgendetwas in der Art. Alle 3 sind anhänglich, wollen alle mit uns schmusen und drängeln sich an uns heran...
Firfiris ist der Boss dort, er scheint sie ziemlich zu unterdrücken.
Leider konnten wir von ihnen keine schönen Fotos machen, schwarze Hunde und Schlamm bis an die Knie- das verträgt sich nicht...
Wir werden Evi bitten einzelne Fotos zu senden sobald es trockener wird, die Jungs sind nicht älter als ca 10 Monate und haben dann sicher alle Chancen der Welt- so lieb wie sie sind...und bildschön dazu ;-)

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Wir kommen an die kleinen Hütten heran...dort sitzen separierte Hunde, zB frisch operierte Tiere, Mütter mit Welpen, Katzen...
In einer Hüte „wohnt“ die liebe, kleine Matina mit ihrem Sohn Emil und Adoptivsohn Lasse.
Alle 3 hatten wir uns auch viel größer vorgestellt, aber keiner ist viel größer als vielleicht 40 cm, handliche Hündchen, allesamt sehr, sehr lieb und ein wenig zurückhaltend- es kommen halt nicht oft Fremde ins Tierheim;-)
Lasse hat sich toll gemacht, sein Lockenfell glänzt und ist kuschelweich...
Matina genieest jede Streicheleinheit und „friert“ dabei ein, bewegt sich nicht mehr...Emil ebenso.
Diese 3 würden sich sehr freuen eine ruhige, liebe Familie zu finden. Sie brauchen so viel Liebe und stellen keine großen Ansprüche- weder an Platz noch an sportlichen Aktivitäten...wir würden es ihnen so sehr gönnen...

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In einem anderen Häuschen sitzt ein wahnsinnig hübscher, an einer Pfote verletzter Junghund...sicher ausgemustert von einem Jäger- ist ja nun nicht mehr brauchbar! Ein Mix aus Bretone und Setter ...ich nenne ihn Uno – alle Tiere brauchen Namen ;-)
Er ist zurückhaltend aber geniesst so sehr unsere Nähe …

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Sarah ist auch in einer der Hütten – sie wurde kastriert und sollte erst die Wunde abheilen lassen ehe sie wieder in den Matsch musste...leider nicht sehr freundlich vertrieb sie uns aus ihrer Nähe ;-)

In der nächsten Hütte 2 weitere Welpen...nach Aufmerksamkeit bettelnd wie alle:-(

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Zwischen den Hütten stand plötzlich ein kleiner, behinderter Hund und schmuste sich an mich heran...sie erinnerte mich an einen Hund den ich dort vor 2 Jahren schon einmal gesehen hatte. Allerdings mit schwerer Hautkrankheit...aber diese Behinderung...( sie wackelt beim Gehen, hat Koordinationsschwierigkeiten und ist geistig zurückgeblieben, aber soooo lieb...)
Und tatsächlich – sie war es ;-) Das arme Schätzchen hatte Bisswunden, die anderen Tiere können nicht mit ihrer Behinderung umgehen:-( Wir fürchten sie wird irgendwann irgendwem zum Opfer fallen:-(

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Weitere Hunde kommen aus dem Nichts und spielen ausgelassen um uns herum ;-)
Unter anderem der wundervolle Scooby ...auch noch kein Jahr alt, nur lieb und sooo freundlich!!! Er wäre ohne weiteres zu Kindern zu vermitteln, ein richtiges Schätzchen ;-)
Eine etwas schüchterne Hündin traut sich nicht ganz heran, und eine braune Hündin , mit einer Beinverletzung, kann nicht genug von uns bekommen...

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Draußen vor dem Tor läuft die ganze Zeit eine traumhaft schöne Pointerhündin herum...seit einem Monat wird sie dort schon versorgt. Evi versucht sie hereinzuholen, aber Zaza, eine „Chefhündin“ ist nicht begeistert und murrt herum. Ehe etwas passiert bringt Evi sie lieber wieder hinaus, dort ist es manchmal sicherer für unterwürfige Hunde...
Traurig schaut sie uns von draußen zu...

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Wir machen eine kurze Rast auf der Bank im hinteren Teil des riesigen Tierheimes...Evi ist sehr erschöpft, man merkt ihr an wie schlecht es ihr geht...
Trotzdem lacht sie und freut sich an den albernen Hunden die um uns herumtollen;-)
Auch wir sind wie erschlagen...
Das hier sollte jemand jeden Tag ertragen ? So viel Arbeit, so viele arme Tiere, in Matsch und Wasser...
So viele Tiere die Liebe wollen und man hat keine Zeit sich um den einzelnen zu kümmern:-(
Nur das Nötigste- Futter, Wasser...ein Blick : alles gesund ???
Es macht einen so traurig...

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Wie schnell würden sie hier Familien finden ! Solche tolle Hunde, wie man sie sich nur wünschen kann...aber dort- wer sollte sich dort für sie interessieren ? Sie würden dort ihr ganzes Leben verbringen – wenn sie keine Chance bekommen durch Pflegestellen...

Während Evi beim Tierarzt mit Ricky war sahen wir uns die Esel an...oder wir wollten es ;-) Wir kamen leider nur bis zu den Ziegen. Als wir uns sie näher ansahen wollten sah ich ganz hinten, am Ende des Geheges einen Busch aus dem mich 2 Mini-Köpfchen anschauten ! Waren das Hunde ??? Und was machten sie bei den Ziegen ???
Und wie kamen wir hinein, wo war denn nur die Türe ???
Da das Gehege am Rande des Tierheimes, neben dem Eingang, lag machten wir uns auf von draußen mehr zu sehen...
Es blieb uns nichts anderes übrig als über den Zaun und eine Regenrinne zu klettern um die beiden kleinen Welpen einzufangen...
Nach einigem Hin-und Her ( die Kleinen fauchten wir Katzen;-))) konnten wir sie in den Dornbüschen einfangen...
Eine schlimme Demodex hatten beide, der eine mehr als der andere. Jemand hatte sie einfach über den Zaun geworfen und sich ihnen so erledigt.
In Griechenland ist es üblich neugeborene Welpen sofort zu töten ( naja, lebendig zu vergraben...) , der Mutter aber 1 oder 2 Babies zu lassen, damit sie die Milch abtrinken und die Hündin nicht krank wird. Sind sie dann 5-6 Wochen werden sie auch weggeworfen, selten getötet- denn sie sind ja nun schon groß und schauen sie an!
Wir hoffen sie schaffen es und überleben, so klein wie sie sind...
(Anmerkung : Evi hatte am darauffolgenden Tag noch ein Brüderchen gefunden das wir übersehen hatten ;-) Und alle 3 leben noch! )

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Im Innenraum, in den wir sie erst einmal brachten, saß Lady...auf einem Stapel Spenden;-) Sie bewegte sich keinen Milimeter , ließ sich streicheln, tat aber lieber so als sei sie unsichtbar...wir waren halt Fremde ;-)

Es waren erst wenige Stunden vergangen, ich war fertig als hätte es den ganzen Tag gedauert:-(
Man ist so erschlagen von den Eindrücken, der Hilflosigkeit von der man überwältigt wird...
Wo sollte man dort ansetzen ? Wem zuerst helfen ?

Die Hundehütten sind eine große Erleichterung , dort können sich die Tiere zurückziehen...es wird dort ständig neues Stroh eingestreut , Decken eingelegt...es wird alles versucht um den Tieren das Leben zu erleichtern- aber ist das wirklich möglich ???
Eine Arbeiterin ist dort, jeden Tag 6 Stunden, und kümmert sich um Futter und Wasser- mehr ist nicht möglich...
Auch Evi ist jeden Tag dort nach ihrem „normalen“8 Stunden Job...es ist Schwerstarbeit- mental und körperlich:-(

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Nach dem Tierheim fahren wir noch zu Evi's Arbeitsstelle. Es ist eine riesige Schreinerei die Kirchenmöbel herstellt...filigran und wunderschön übrigens ;-)
Da die Firma Evi's Bruder gehört kann sie dort auch ein paar Hunde unterbringen.
Und sogar sehr gut ist deren „Zuhause“ dort, geräumige Ausläufe, trockene, große Häuschen zum Unterschlüpfen!
Aber auch dort sind mind. 30 Hunde zusätzlich...das heisst auch auf der Arbeit warten Hunde …

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Dort machen wir eine kurze Rast, wir grillen bei 20 Grad, mitten im Februar ;-)
Die Stimmung ist gedrückt...Evi ist unglücklich und kann es schlecht überspielen. Wir sind geschafft von den Eindrücken des Tierheimes und reden nicht viel...

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Dann müssen wir wieder los, „mal eben“ eine Stunde nach Larissa fahren und Filaki besuchen ! Sie ist ja noch immer in der Klinik. Da wir sowieso noch die Impfpässe der Hunde abholen müssen ist es ein Weg, und wir freuen uns auf die Kleine!
In der Klinik lebt eine 3-beinige Katze, ebenfalls von Evi gefunden, dort operiert und auch dort geblieben – der Liebling aller ;-)
Auch ein blindes Kätzchen lebt dort ein schönes Leben, unglaublich wie sie zurecht kommt und sich entlang der Wand orientiert!

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Dann geht es in den Keller ...dort sind die frisch operierten Tiere und warten auf das Ausklingen der Narkose nach OP's, oder eben Fälle wie Klein Filaki, die überwacht werden müssen.
Bei unserem Besuch sind 3 große Hunde an der Wand angekettet, alle glücklich über ein paar Streicheleinheiten...
Selbst dort nimmt Evi sich einen Besen und reinigt mal eben schnell den Boden von Exkrementen, damit die Tiere sich nicht hineinlegen müssen, wechselt das Wasser...

Filaki...ein kleines Häufchen sitzt in der Blechbox...ihr Schwänzchen zappelt leise als wir die Box öffnen und sie sucht Nähe, zaghaft...
Evi meint wir sollen sie herausholen, ich möchte das nicht...es ist so furchtbar, wenn man so ein Tierchen in den Armen hatte, es wieder zurücksetzen zu müssen. In diese kalte, nackte Box:-(
Was muss die Kleine denken...
So ein süßes, kleines Handvoll Hundchen. In ihrem Alter sollte sie herumtoben können, mit anderen Welpen spielen, die Sonne sehen und Gras fühlen.
Sie kann es nicht, weil Menschen sie weggeworfen haben und sie schwer verletzt wurde.
Bald Filaki- bald darfst Du kommen und alles nachholen;-)

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Kurz nach unserer Abreise wurde Evi ins Krankenhaus eingeliefert- der Körper macht irgendwann einfach schlapp, so sehr man ihn auch ignorieren möchte und weiter macht bis man umfällt...
Die psychische Belastung ist weitaus größer als die physische...und belastender.

Wir werden weiterhin tun was wir können, mit Ihrer Hilfe , um sie zu unterstützen ...dennoch können wir ihr so vieles nicht abnehmen.

Das schlimmste unserer griechischen Erlebnisse erwartete uns aber erst am Flughafen...wie so oft.

Die Hunde waren bereits eingecheckt und unterwegs in den Laderaum. Nun hatten wir aber noch 2 Katzen in Transporttaschen dabei, die mit uns in die Kabine sollten.
Katzen die keine zahmen Stubentiger sind, sondern noch nie Massen von Menschen auf einmal gesehen haben...
Wir wollten sie für eine andere Organisation mitbringen, damit sie ihr Leben nicht im Tierheim fristen müssen. Behinderte Katzen haben ja keine Chance dort...
Ein dreibeiniger Kater und ein einäugiger Katzenjunge.

Bereits am Schalter wurde es mit den Damen dort besprochen, wir könnten die beiden nicht herausnehmen, weil sie eben in Panik wären. Alles ok- Pässe wurden kopiert, eine Menge Geld bezahlt und es wurde zugesagt dass so alles ok wäre.

Leider stellte sich einer der „wichtigen“ Sicherheitsbeamten stur – Frau Lange war vor mir in der Schlange und versuchte zu erklären warum die Katze nicht aus der Tasche genommen werden könne...
Keine Chance- sie musste es tun.
Der Kater war erst relativ ruhig, sag sich um und verwandelte sich von einer Sekunde auf die andere in einen wilden Tiger ...Frau Lange ( ich bewundere ihren Mut und ihre Stärke !) hat ihn dennoch nicht losgelassen ! Er hat sie sicher 20x gebissen, ihr die Hände aufgeschlitzt – aber sie hat festgehalten ! Ich habe in der Zwischenzeit schnell versucht dem Beamten die leere Tasche zu zeigen, woraufhin er nickte und es für ok befand. Innerhalb von Sekunden lief das alles ab , wir mussten den panischen Kater sofort wieder in die Tasche stopfen!!!
Anderenfalls wäre er auf und davon gewesen, und der Flughafen ein einziges Chaos...

Frau Lange ging mit dem Kater weiter und ich war an der Reihe...auf die Frage des Beamten hin ob der denn genauso wäre habe ich ihm nur geantwortet: Sie können es gerne ausprobieren!!!
Er gab sich damit zufrieden dass ich ihm nur das Innere der Box gezeigt habe indem ich den Kater nur etwas beiseite schob und die Decke auf der er saß anhob.
Alles ok, ich durfte weiter...

Als ich zu Frau Lange kam sah ich erst was passiert war...
Ihre Hände bluteten aus tausend Bisswunden, das Blut tropfte auf den Boden und sie versuchte verzweifelt die Blutungen mit Taschentüchern zu stoppen...
Ein noch „wichtigerer“ Sicherheitsmensch hatte sich zu ihr gesellt und schrie sie an sie solle den Kater nochmal rausholen, er wolle sich die Tasche genauer ansehen!
Natürlich tat sie es nicht! Es wäre eine Katastrophe geworden!!! Und es ging auch gar nicht mit all den Verletzungen!

Ich bat ihn eindringlich bitte jemanden zur ersten Hilfe zu holen und die Wunden versorgen zu lassen, worauf er nur antwortete : „Nein- jetzt nicht !“ Erst sollte der Kater nochmal raus!
Und wenn wir zum Arzt wollten müssten wir eben in den Keller, dort wäre einer.
Da aber mittlerweile viel Zeit vergangen war , und nur noch 10 Minuten bis zum Flug übrig waren, sagten wir ihm dass das nicht ginge, der Arzt solle bitte hoch kommen!
Nein. Keine Chance!
Wir könnten nicht durch den Check wenn der Kater nicht noch einmal herausgeholt würde !
Mittlerweile putze eine Putzfrau um uns herum das Blut vom Boden und schob uns an die Seite...

In meiner Verzweiflung rief ich Kostas nochmals an und bat den wichtigen Sicherheitsmann mit ihm zu sprechen, er sei auch Grieche und die Verständigung wäre einfacher.
Auch das lehnte er kategorisch ab ! Er wolle mit niemandem reden!
Ich erklärte Kostas kurz die Problematik und wir hatten viel Glück, er war noch in der Nähe und kam sofort herein. Versuchte ebenfalls mit dem „Herrn“ zu sprechen, gab aber auch auf.
Es ging ja nicht um die Katze, sondern um seinen griechischen Stolz und die wichtigste aller Aufgaben die er zu erledigen hatte: Menschen, erst recht Deutsche! , zu quälen.

Da mittlerweile auch die Stewardess uns bedrängte nun den Flieger zu besteigen oder er würde ohne uns gehen ( wir hatten schließlich noch die Hunde an die wir denken mussten !!!) übergaben wir Kostas den einäugigen Kater – er musste dort bleiben.
Obwohl bereits ein Beamter das Innere der Tasche gesehen hatte – aber das zählte wohl in dem Fall nicht weil Herr Oberwichtig seine Macht demonstrieren musste...

Wäre es Reisezeit gewesen, und anstatt der ausschließlich griechischen Fluggäste auch Deutsche oder andere Nationalitäten geflogen – es wäre sicher anders gelaufen ! Niemand hätte es wortlos stehen gelassen wie eine verletzte Frau behandelt ( oder vielmehr nicht ! behandelt ) wurde...

Leider mussten wir nun so weiter...Man schubste uns mehr als man uns zum Flieger geleitete. Im Flugzeug angekommen bat ich sofort die Stewardess bitte Frau Lange zu helfen. Diese war wirklich einmalig nett und holte sofort Desinfektionsmittel, Verbände und Pflaster.
Sie gab uns den Glauben an die Menschen wieder, so gut tat das...
Die Sitznachbarn von Frau Lange ergriffen rasch nach dem Start die Flucht , nicht dass man sich noch ansteckte! Auch mein Sitznachbar hatte schnell die Nase voll davon dass ich über seinen Schoss hinweg versuchte mit Frau Lange über die Vorfälle zu sprechen.
Endlich verzog auch er sich auf einen anderen Platz und wir hatten Zeit miteinander zu sprechen.

Beide völlig fertig mit den Nerven. Frau Lange dazu mit wahnsinnigen Schmerzen:-(
Mein persönliches Gefühl war – schwer in Worte zu fassen...
Erniedrigt...fassungslos...beschämt...maßlos enttäuscht...traurig...
Diese angeekelten Blicke der Menschen, diese Überheblichkeit und diese Ausspielung der Macht.

Zusätzlich zu dem, was uns auf der Seele lastete , nachdem was wir gesehen hatten und wieder einmal einsehen mussten dass wir nur zu einem wahnsinnig kleinen Bruchteil helfen können...
Eine Hilflosigkeit macht sich breit...daher dauerte es auch sehr lange bis dieser Bericht endlich fertig war.
Im Moment wissen wir nicht genau wo wir ansetzen, womit und wie.
Die immer währenden Schikanen denen wir und die Tierschützer in Griechenland ausgesetzt werden...die Willkür und die Machtproben...all das macht es uns so schwer zu helfen:-(

Bis dahin hoffen wir weiterhin auf Ihre Unterstützung, Ihre Hilfe...damit wir wenigstens weiterhin die Hunde ab und zu mit Futter beschenken , die Tierheimmiete bezahlen und auch für ein wenig Komfort mit immer frischen Decken sorgen können...










Einsatz Karditsa Jennifer

Einsatz Karditsa Jennifer Scholzen

Donnerstag, 17.03.2011
Ich weiß nicht, mit welchen Erwartungen ich nach Karditsa gestartet bin, sicher war: Ich hatte große Angst vor dem was ich sehen würde und auch müsste – meine eigenen Belastungsgrenzen dort zu erfahren und vielleicht irgendwann nicht in der Lage zu sein helfen zu können. Der Weg zum Flughafen war schwer für mich, auch bei den Anderen schien die Stimmung angespannt – trotz der Vorfreude auf die Hunde und unsere Tierschützer Evi und Kostas. Der Flug war dennoch entspannt, die 4,5 Stundenfahrt mit dem Auto von Thessaloniki nach Karditsa dagegen sehr langwierig und müßig.


Erst gegen Abend trafen wir mit Kostas in unserem Hotel ein, Evi erwartete uns alle mit offenen Armen und großer Vorfreude. Das nachfolgende Essen in einer urigen Taverne war großartig, wir ließen es uns zwischen Tzatziki und Gyros so richtig gut gehen. Doch der Abend sollte noch lange nicht zu Ende sein, Evi bat uns um einen „kurzen“ Besuch an einer ihrer Futterstellen, wir ahnten bis dahin noch nicht, was uns dort erwarten sollte...


Schon beim Aussteigen aus dem Auto fiel uns ein Rascheln auf, kurz danach sahen wir es: Ein kleines weißes Welpenmädchen mit abgeschnittenen Ohren, alleine, nur wenige Wochen alt, an der Nähe eines Grabens einfach ausgesetzt. Die kleine wimmerte und fror, und während einige von uns sie mit einem Handtuch trockneten, hörten wir Evi schon wieder rufen: Im Gehege ihres eigentlichen Schützlings (ein mehr als abgemagerter lieber Jagdhund) waren weitere Welpen, scheinbar hatte sie jemand dort über den Zaun geworfen  Martin und Evi versuchten über das eingezäunte und verschlossene Gehege zu klettern um die Kleinen dort herauszuholen, nach und nach gaben sie uns die Hunde an – am Ende der Aktion hielten wir ganze 5 Welpen im Arm, allesamt bildhübsch, drei davon mit abgeschnittenen Ohren (warscheinlich mit einer Schere!).


Parallel dazu kam aus dem Dickicht der anderen Straßenseite ein wunderschöner Rüde, seine kurze Rute wedelte einheitlich mit seinem gesamten Körper, er schlawenzelte geduckt um uns herum, suchte förmlich nach einer Zuwendung oder Streicheleinheit. Ein vorbeifahrendes Auto hätte ihn fast überfahren, für mich ein Moment der bloßen Angst - ich fing sofort an zu weinen… Kostas gab ihm Futter, Evi streichelte und liebkoste ihn – er humpelte ein wenig und dennoch sprach aus ihm so viel Freude, Glück und Lebensmut… es brach mir das Herz ihn anschließen dort zurückzulassen.
Der Weg führte uns weiter über eine kleinere Seitenstraße, hier machten wir Halt um die Hunde an einem verlassenen Grundstück zu füttern. Als wir dort ausstiegen, hätten wir beinah auf einen kleinen Welpen getreten – er lag einfach so am Straßenrand, Evi fing laut an zu stöhnen… Wir gingen weiter und fanden 4 weitere Welpen, allesamt allein doch scheinbar recht gut genährt. Die Gemütslage wurde unruhig, wohin jetzt noch mit diesen Hunden?! Kostas gab allerdings Entwarnung, nach einigen Beobachtungen konnten wir eine Hündin aus dem Rudel als Mutter erkennen. Wir fütterten alle und fuhren weiter…

Während Kostas mit den Männern zurück zum Hotel fuhr, hielten Jotta, Eva, Sarah und ich die Welpen auf dem Schoß und fuhren weiter zu Evis Wohnung. Dort angekommen begrüßten uns jede Menge toller Hunde: Sakanteli, Matia, Bina, Matty und viele andere… unsere 5 Welpen wurden freudig empfangen und kurz danach bereits im Rudel akzeptiert. Nach der Raubtierfütterung bekamen alle Welpen eine Wurmkur sowie einen Namen, gegen 3 Uhr morgens ging es dann erschöpft auch für uns zurück zum Hotel und ins langersehnte Bett.


Freitag, 18.03.2011
Die Nacht war kurz, denn der Lärm vor dem Hotel und das Gesehene des Vortages ließ uns alle kaum schlafen. Trotzdem saßen wir am nächsten Morgen um 9 Uhr schon wieder im Hotelrestaurant und planten den weiteren Tag. Die erste Hiobs-Nachricht: Von den 5 am Vortag geretteten Welpen musste Evi am Morgen wieder 3 zurückbringen, scheinbar hatte man uns nachts beobachtet und den Besitzer des Geheges telefonisch informiert. Die Welpen seien Eigentum des Besitzers und angeblich auch schon verkauft -die Nachricht traf uns alle hart. Evi sah es trotzdem positiv: 2 Welpen hatten wir gerettet, und alle hatten wenigstens noch eine Wurmkur erhalten (die Verwurmung war bei allen mehr als heftig!).

Trotz des Schocks ging es nahtlos weiter, um 10 Uhr war ein Termin im Rathaus von Karditsa geplant, bei dem unser TING-Team sowie Kostas und Evi die Chance erhalten sollten beim Bürgermeister der Stadt vorzusprechen. Gewappnet mit den bis dato 550 geleisteten Unterschriften der Petition, jeder Menge Gesetzesregeln und unendlich viel Hoffnung liefen wir dort ein… und wurden freundlich an einem Konferenztisch des Bürgermeisters begrüßt. Die Einleitung übernahm Evi, Jotta übersetzte ihre Worte für uns ins Deutsche. Es war ein sehr emotionaler Moment als Evi bei ihrer Rede kurz ins Stocken kam um ihre Tränen zu unterdrücken, Kostas übernahm das Wort und ich selbst war froh nicht an ihrer Stelle sein zu müssen. Die anfängliche Skepsis des Bürgermeisters nahm während des Gespräches weitestgehend ab, die Worte wurden freundlicher, seine Mimik offener… Wir erhielten ebenfalls die Möglichkeit etwas zu sagen, konnten ihm erklären, dass wir aus Deutschland die Zuwendungen schicken, die eigentlich die griechische Regierung übernehmen müsste – zudem wäre auch der Stellenwert von Hunden in Deutschland ein anderer (zum „Beweis“ zeigten wir private Fotos unserer Hunde). Es war eine lange doch sinnvolle Unterhaltung, welche mit guten Ergebnissen abgeschlossen wurde: Der Bürgermeister sagte zu, Evi nun schrittweise zu unterstützen und schnellstmöglich Fördergelder für das Tierheim zu beantragen. Ein Artikel über unseren Besuch erschien am nächsten Tag sogar in der Karditser-Tageszeitung – wollen wir also hoffen, dass er auch zu seinem Wort steht.

Glücklich über diesen so wichtigen Erfolg fuhren wir nun los zu unserer ersten Anlaufstelle: Evi´s Arbeitsplatz, an welchem die mit der deutschen Spedition aufgegebenen Materialien von uns für den Wiederaufbau des Tierheims abgeliefert worden waren. Auf dem Weg dorthin erhielt Evi einen Anruf: Ein Welpe sei ganz in der Nähe einfach ausgesetzt worden, wir fuhren sofort hin. Die Angaben zum Fundort waren sehr oberflächlich, wir stiegen aus, suchten, fanden jedoch nichts… Während sich einige von uns nach rechts und andere sich nach links verteilten, lief ich in Richtung Fluß und horchte nach auffälligen Geräuschen. Ich hörte ein paar Äste knacken und dann sah ich sie: Eine kleine braune Hündin von etwa 12 Wochen mit großen Kulleraugen, zurückgezogen an einem Drahtzaun unter einigen Ästen - mitten im Wasser! Als ich sie herausholte zitterte sie am ganzen Körper, Evi und Jotta kamen mit Handtüchern und Fotoapparat… und wieder eine mehr.

Es blieb kaum Zeit zum Pausieren, wir mussten weiter um die Materialien von Evi´s Arbeitsstelle in den Van umzupacken und zum Tierheim zu fahren. Wir setzten uns also mitsamt nassem Hund wieder ins Auto und fuhren weiter. Während die Männer dort angekommen fleißig (um-)packten, liefen wir Frauen zum Hinterhof und dem „Mini-Shelter“ - rund 30 Hunde haben aktuell dort ihr Zuhause, schön gelegen in einigen abgetrennten Gehegen. Regina und Tereza begrüßten uns bereits am Zaun, ebenso der zutrauliche dreibeinige Nikitis sowie die wunderschöne Sunny. Allesamt ganz wunderbare Hunde, einer lieber als der Andere… es gab gar nicht so viel Hände zum Streicheln wie notwendig gewesen wären ;-) Leroy war ein echtes Highlight – die Fotos von der ersten Begegnung zwischen Martin (seinem neuen Besitzer) und ihm sprechen Bände… auch hier wieder ein sehr emotionaler Moment. Pit und Fiwos – beide ganz einzigartige Hunde, deren körperliche Makel durch ihre so wundervolle Ausstrahlung mehr als wett gemacht werden. Sarah fand in Sunny ihren größten Fan, die Kleine wich ihr nicht mehr von der Seite – der Abschied fiel Beiden entsprechend schwer.

Leider mussten wir auch hier wieder recht schnell weiter, das Tierheim und die Hunde warteten und wir alle waren entsprechend aufgeregt nun endlich dort anzukommen. Auf dem Weg dorthin lief uns wieder der Rüde von Donnerstag-Abend entgegen, schwanzwedelnd begleitete er unseren Wagen bis kurz vor dem Tierheim. Für mich wieder ein erdrückender Moment, ich versuchte mich mit anderen Gedanken abzulenken. Vor den Toren des Tierheims begegneten wir dann als erstes Penelope und einer stark an Leishmaniose erkrankten Hündin. Der Van mit unserem Material parkte bereits und wir machten uns daran die Spenden auszuladen und vor dem Eingang zu stapeln. Diese Aktion dauerte dank aller Beteiligten gerade einmal 30 Minuten, später erfuhren wir von Kostas, dass Evi dafür bei jedem Spendentransport alleine ca. 3 Stunden benötigt!!!

Als wir fertig waren, und die Spenden allesamt für unsere Internetseite geknipst wurden, ging es dann endlich ins Tierheim! Emma, unser Welpe vom Fluß, wurde in ein Zwischenzimmer gepackt und wir machten den ersten Rundgang durch das Grundstück. Dank des mittlerweile schönen Wetters war der Matsch an vielen Stellen schon getrocknet, trotzdem waren die Spuren der Sintflut sofort erkennbar – die Küche mitsamt Vorraum waren bis zur Decke verdreckt, die Hunde standen teilweise noch immer knöcheltief im Wasser, das Katzengehege war zu einem Drittel ein See, viele Planen waren abgerissen, Paletten waren durch das Wasser morsch und brüchig…

Den Abend verbrachten wir daher mit der Reinigung des Tierheims, die Küche wurde vom Schmutz (und der Rattenplage dort) befreit, die zugestellten Zimmer und Vorräume wurden wieder auf Vordermann gebracht und die Männer bauten die gespendeten Hundehütten auf Paletten auf. Wir arbeiteten bis kurz vor 21 Uhr, dann…. wieder ein Anruf: Eine Hündin sei auf der Hauptverkehrsstraße in Karditsa angefahren worden und läge schwerverletzt in einem Graben nah einer Brücke.
Todmüde doch gepusht durch unser Adrenalin fuhren wir zum Unfallort, das Bild was sich uns bot war mehr als furchtbar!!! Die Hündin lag mit offenen Knochenbrüchen auf dem seitlichen Gras, um ihren Hals noch ein eingewachsener Strick… sie blutete stark und war bereits in einem Schockzustand. Auf einer alten Decke transportierten Kostas und Jotta sie in Evi´s Auto – die Tierärztin der Tierklinik von Larissa (ca. 30 Minuten entfernt) wurde angerufen… wenige Minuten später fuhren die Griechen mit ihr los.

Wie sich später herausstellen sollte, hatte die Hündin einen mehrfachen Beckenbruch, Brüche der beiden Hinterläufe und eine starke Verletzung der inneren Organe. Der eingewachsene Strick an ihrem Hals war das kleinste Übel – eine OP war aufgrund des großen Blutverlustes am selben Abend nicht mehr möglich. Die nächsten 24 Stunden sollten über ihre Zukunft entscheiden – leider wissen wir aktuell nicht, wie es um ihren Zustand aussieht…
Für mich verlief der Tag wie in einem Film, ich war erschöpft, müde und doch voller Energie – an Schlaf war keineswegs zu denken. Die Nacht war entsprechend kurz, aber erholsam. Jotta und ich redeten viel und lange, der gegenseitige Austausch war für uns wichtig und notwendig um weitermachen zu können…


Samstag, 19.03.2011
Auch dieser Morgen begann um 9 Uhr zum Frühstück in unserer Hotelbar. Wir notierten alles was uns an Material im Tierheim fehlte und fuhren allesamt in einen Supermarkt um die Einkäufe für die bevorstehende Arbeit zu besorgen. Auf dem Parkplatz dort, nahe des Müllcontainers, fiel uns eine kleine Gruppe von Straßenhunden auf. Scheinbar lebten sie dort im Rudel aufgrund der günstigen Futterlage, alle sahen aber gut genährt und gesund aus – wir gingen daher weiter… Wieder im Tierheim angekommen machten wir uns an die Arbeit: Ein alter mit Müll vollgestellter Schuppen sollte ausgeräumt und für die zukünftige Futterlagerung auf Vordermann gebracht werden, Manfred und Martin legten los, wir anderen versuchten uns an dem bis unter die Decke zugestellten Lagerraum im Tierheim-Häuschen. Ich werde hier keine Details beschreiben, aber ich kann mit voller Gewissheit sagen: Seit dieser Aktion sind wir alle ratten-, mäuse- und wurmresisten ;-) An dem Tag wurde der gesamte alte (Bau-)schutt aus dem Tierheim entsorgt, die Räume und Zugänge wurden entmüllt, über zerissene oder offene Dächer wurden neue Planen gezogen, Spenden wurden sortiert und nach System eingepackt, das Katzenhaus wurde wieder „saniert“ und mit einem neuen Dach überzogen, alte Schlafplätze der Hunde wurden repariert oder erneuert, es wurden neue Fotos der Hunde geschossen, Listen über deren Eigenschaften aktualisiert, Medikamente aussortiert, Leisten gebaut und Decken ausgetauscht. Die Welpen wurden umsorgt, die Hunde für unseren Flug am Sonntag vorab reisefertig gemacht – alles in allem ein konstruktiver Tag mit viel Ergebnis.


Zwischendurch passierte vor dem Tierheimtor allerdings eine böse Beißerei zwischen zwei Hunden, eine Hündin wurde dabei schlimm an der Pfote verletzt, die Andere an der Lefze… Sarah und ich karrten gerade den Müll mit einer Schubkarre zum Container, ich habe in meinem ganzen Leben noch nie eine solche Attacke miterlebt! Es zeigte mehr als deutlich unter welchem Streß und Überlebensinstinkt die Hunde dort handeln, jeder ist sich dort selbst der Nächste.
Auch im Freilaufgehege des Tierheims kam es zu einigen Attacken, glücklicherweise aber bei unserem Beisein ohne schlimmeres Ende. Tzobana wurde allerdings vor ein paar Tagen böse gebissen, es wäre schön wenn sie ihre Chance bald bekommt, im Tierheim wird es immer schwieriger für sie…
Luna, Marnie und Anastasia waren ständig in unserer Nähe, die Drei sind ganz wunderbare Hunde mit ganz viel Charakter! Von meinem Patenhund Scooby Doo war ich wirklich hin und weg, ein Rüde mit heroischer Ruhe und Gelassenheit – viele der Welpen dort orientieren sich sogar an ihm und er geht wie eine Mama mit ihnen um… traumhaft! Auch Midas (auf ihn hatte ich mich besonders gefreut) ist ein Traum von einem Hund, er hat wunderschönes langes Fell und tolle dunkle Knopfaugen, leider ist er noch ein wenig ängstlich bzw. vorsichtig und schüchtern aber das ist auf jeden Fall in den Griff zu kriegen. Peggy, die Hündin mit den großen Stehohren ist ebenfalls bildschön – wir Mädels waren uns einig, dass ihr die Fotos auf unserer Seite definitiv nicht nachkommen… sie hat eine auffallend, fast schon orangene Fellfarbe und wunderschöne kajalumrandete Augen. Ich hoffe sehr, dass sie eine Chance bekommt – sie hätte es so verdient!


Sonntag, 20.03.2011
Die Nacht war wieder einmal kurz – um 04.15 Uhr Treffen zur Abfahrt Flughafen Thessaloniki. Wir sind alle wie gerädert, das erste Mal merke ich auch die körperliche Belastung… Jotta und Kostas fahren mit uns zu Evi´s Wohnung, in der wir Fee, Bina, Woula, Anastasia und Polis abholen um sie mit auf unseren Flug nach Hause zu nehmen. Der Platz ist knapp, die Boxen und unsere Koffer nehmen den gesamten Kofferraum plus Fußraum ein, das korrekte Einräumen aller Stücke will gelernt sein. Der Abschied von Evi ist wieder sehr herzlich, seltsamerweise bedanke ich mich bei ihr für alles und denke während der Fahrt noch darüber nach, warum… Ich finde darauf ganz viele Antworten und schlafe mit einem zufriedenen Lächeln kurz ein.

Wieder haben wir 4,5 Stunden Fahrt vor uns, kurz nach Karditsa machen wir kurz Stopp um uns bei einem Bäcker mit Kaffee und Frühstück einzudecken.
Die Zeit wird langsam knapp, Kostas und Jotta brettern was das Zeug hält damit wir es noch pünktlich zu unserem Flug schaffen. Kurzfristig hat sich noch ein vierbeiniger Fluggast von Foteini ergeben, Filippos – ein kleiner Terrier/Pudelmischling soll bei Eva noch als Handgepäck mitfliegen. Beim Flughafen angekommen geht alles ganz schnell, die Hunde werden mit den Flugboxen aufgegeben, Foteini steht bereits auf dem Parkplatz und wartet mit Filippos. Schnell werden noch einige Fotos gemacht, dann geht es schon weiter zum Abflug.

Während die Anderen bereits einchecken, melden Jotta und ich Bina und Filippos als Handgepäck an – in Griechenland eine etwas längere Aktion wenn man noch einen Griechen vor sich stehen hat, der gerade privat dabei telefoniert! Das ganze wird langsam ein wenig hektisch, Kostas kümmert sich währenddessen schon um die Rückgabe unseres Mietwagens, Foteini begleitet uns noch bis zum Check-In. Wir verabschieden uns und sitzen kurz danach im Flieger.
Bei uns: Filippos – den wir laut Aegan Airlines nur in der Reisehandtasche unter dem Sitz abstellen dürfen. Es entsteht eine Diskussion mit diversen Stewardessen, als diese weg sind, entscheiden wir uns kurzerhand dazu den Hund trotzdem halbwegs aus der Tasche zu lassen. Er ist durch den Flug stark gestresst und Eva, Sarah und ich wachen mit offenem Auge auf ihn und die ständig vorbeihuschenden Stewardessen. Erst als der Flieger landet ist uns allen klar, dass wir es geschafft haben – irgendwie ohne zu Murren und mit einem unglaublichen Gefühl der Zufriedenheit.

Es gibt trotz allem noch so unendlich viele Dinge zu tun, so unendlich viele Lücken im griechischen System und so unendlich viele Hunde, die unsere Hilfe benötigen. Zu wissen, dass Evi, Kostas, Foteini, Lena, Mrs. Mairy, Katharina, Dina und Alexis aber vor Ort sind, beruhigt ungemein – und gibt wieder neue Kraft für ein baldiges Wiedersehen… in Karditsa.

Einsatz Karditsa 2011

Einsatz Karditsa 2011

21.03.2011

Vorab nur schonmal ein Foto welches in der Tagespresse veröffentlicht wurde, der Text wird uns noch übersetzt werden ;-)

Der Besuch beim Bürgermeister soll sehr gut verlaufen sein, hoffen wir dass er nun sein Versprechen hält...

 

19.03.2011

Gestern abend spät, gegen 21 Uhr griech. Zeit, sind unsere 6 Helfer plus Kostas in Karditsa eingetroffen...

Nach der langen Fahrt und dem Flug sollte es nur noch eben schnell zum Essen gehen, danach dann ins Bett- denn heute geht die Arbeit los !

Auf dem Weg nach Hause mussten schnell noch ein paar Welpen gerettet werden ;-)

Hier die ersten Bilder - wir werden versuchen vorab schon ein paar Impressionen des jeweiligen Tages zu zeigen...

Heute früh geht es zum Bürgermeister, danach ins Tierheim- an die Arbeit ;-)

Angek. Archiv

            Vermittlungsgeschichten


Hier finden Sie Fotos und Geschichten unserer Hunde, die endlich zuhause angekommen sind ;-)

Diese Bilder und Erzählungen geben uns und auch unseren griechischen Tierschützern immer wieder Auftrieb - bitte schicken Sie uns ab und zu, immer mal wieder, News - damit wir wissen wie es unseren Schützlingen geht !

Es ist so wichtig zu sehen wofür wir alles das tun - wir danken Ihnen ganz herzlich ;-)

 

Mittelmeerkrankheiten

Die sogenannten "Mittelmeerkrankheiten"

An dieser Stelle werden wir Sie ein wenig über die sogenannten "Mittelmeerkrankheiten" informieren. Zuerst einmal: alle Hunde über 7 Monate werden bei uns getestet, bevor sie zu ihren Familien ausreisen. Dennoch kann man nie ausschliessen, dass ein Hund sich nach dem Test infiziert haben könnte oder dieser Test aus verschiedenen Gründen unzuverlässig war.

Daher gilt immer: Bitte lassen Sie Ihren Hund nachdem er bei Ihnen angekommen ist, der Stoffwechsel sich eingespielt hat und das "normale" Leben beginnt (nach ca. 6 Monaten) bei Ihrem Tierarzt mit dem großen griech. Mittelmeercheck nachtesten. Bei einem Welpen bitte sobald er 7 Monate alt ist.

Alles kann therapiert werden, aber man sollte darüber Bescheid wissen. Wenn man nicht behandelt, kann jede Krankheit tödlich enden, nicht nur die Mittelmeerkrankheiten. Ein Irrglaube ist, dass sich diese Infektionen auf den Mittelmeerraum beschränken. Inzwischen hat sich durch die Klimaerwärmung die Sandmücke oder aber auch die Zeckenart, bereits hier in Deutschland angesiedelt. Bei Verdacht auf eine Infektion sollte man also auch einen "deutschen" Hund testen lassen!

Ein weiterer Irrglaube ist, dass sich ein Hund bei einem anderen infizieren kann. Die Gefahr ist in etwa so hoch als wenn sich ein gesunder Mensch bei einem Malaria infiziertem Menschen anstecken würde, denn dazu braucht es immer einen Wirt: eine Sandmücke oder eben Zecke. Sollten Sie dennoch Angst vor einer Ansteckung haben, stellen Sie sich doch einmal die Frage: "War ich selbst schon einmal im Süden - im Urlaub oder geschäftlich? Und hat mich dort mindestens 1 Mücke erwischt, die mich eventuell angesteckt haben kann?"

Vermutlich werden Sie diese Frage mit JA beantworten - dennoch haben Sie sich aber sicherlich nie testen lassen. Warum auch? Ein gesunder Organismus verkraftet eine Infektion ohne Probleme, und ohne körperliche Symptome würden sie dies auch niemals bemerken. Alles, was bei einem Bluttest zurückbleibt, ist eben ein Antikörper-Titer - wie bei einer Impfung. Und genau das ist es, was auch bei den Hunden getestet wird. Falls der Antikörpertiter erhöht sein sollte, ist dies noch lange kein Beweis dafür, dass der Hund auch akut erkrankt ist. Lediglich dafür, dass sein Organismus sich schon einmal mit der Krankheit auseinandergesetzt hat und Antikörper bildete. Etwas anderes ist es wenn ein geschwächter Organismus infiziert wird. Dann ist sofortige Therapie angebracht, die glücklicherweise bei den griechischen Hunden sehr erfolgsversprechend ist. Unten aufgeführt können Sie sich über die verschiedenen Krankheiten informieren. Bitte scheuen Sie sich nicht uns bei weiteren Fragen dazu anzusprechen.


Leishmaniose

Die Leishmaniose wird über die Sand- bzw. Schmetterlingsmücke übertragen, der Erreger dieser Infektionskrankheit lautet "Leishmania infantum". Neben Hunden können auch andere Säugetiere oder auch Menschen infiziert werden, die Übertragung erfolgt immer über einen entsprechenden Stich. Im Winter sowie am Tage ist diese Mücke nicht aktiv, sie beginnt erst mit Sonnenuntergang ihr "Unwesen". Ein Leishmaniose infizierter Hund kann vielfältige Symptome zeigen: Haarausfall um die Augen, ausgefranste Ohrränder, Abmagerung, viel zu lange Krallen, ständiger Durchfall, Träg- und Lahmheit, Nasenbluten, Fieber... Ein Merkmal zeigt sich allerdings selten alleine, sollten also "nur" die Haare ausfallen, ist beispielsweise auch eine Demodex möglich. Wir raten -bei einem entsprechenden Verdacht- daher immer zu einem Tierarztbesuch mit anschließendem Blut- und Mittelmeertest.

Wichtig: Es gibt Hunde, die beim Bluttest zwar einen Leishmaniose-Titer haben, aber keinerlei der oben erwähnten Symptome zeigen. Wir empfehlen in diesem Fall keine Behandlung. Entweder war/ist der Hund tatsächlich resistent gegen den Erreger oder aber er zeigt noch keinerlei Merkmale, wird aber in naher Zukunft erkranken. Kein ärztliches Test-Verfahren kann diese beiden Optionen voneinander unterscheiden, so dass eine Therapie zu diesem Zeitpunkt keinerlei Sinn macht. Veranlassen Sie in diesen Fällen regelmäßige Kontrollen beim Tierarzt, um eventuell entstehende klinische Symptome möglichst frühzeitig zu entdecken. P.S. Etwa mehr als die Hälfte der Hunde entwickelt keine anschließenden Symptome :-)

Therapiert wird, bei akuten Beschwerden, meistens mit Allopurinol, einem humanmedizinisches Medikament welches monatlich ca. 15 Euro kostet. Zumindest bei den griechischen Hunden wirkt es sehr gut - eine Behandlung sollte allerdings immer individuell abgestimmt werden. Wichtig sind hier regelmäßige Kontrolluntersuchungen, da die Leishmanien bei einem infizierten Hund ein Leben lang Rückfälle ermöglichen können. Es gibt bisher leider noch keine Therapieform, die eine vollständige Bekämpfung dieser Erreger ermöglicht. Weitere Infos erhalten Sie auch auf www.leishvet.info.

Dirofilarien

Dirofilarien, zu welchen der im Hund vorkommene Herzwurm Dirofilaria immitis und Dirofilaria repens zählt, werden über Moskitos bzw. Stechmücken auf den Hund übertragen. Die Larven (Mikrofilarien) dieser Würmer werden durch Stiche von Wirt zu Wirt übertragen, so dass im Nachgang eine Herzwurm-Erkrankung entsteht. Die Faden-Würmer siedeln sich am Herzen, sowie an der zur Lunge führenden Arterie an und entwickeln sich dort zu erwachsenen Parasiten (Makrofilarien) von bis zu 30 cm Länge. Hierdurch zeigt sich die Infektion oft mit Atemnot, Blutarmut, Husten, Leistungsabfall oder Kurzatmigkeit. Bei Verdacht auf Dirofilarien wenden Sie sich bitte sofort an Ihren Tierarzt, die Diagnose kann auf unterschiedliche Weise nachgewiesen werden (z.B. Blutprobe, ELISA-Test, Herzultraschall).

Filarien können vollständig medikamentös bekämpft und behandelt werden, die jeweilige Therapie richtet sich hierbei nach dem Befall - also der Menge der aktiven Mikro- und/oder Makrofilarien. Mikrofilarien werden im Regelfall mit Spot-On-Präparaten wie z.B. Advocate® behandelt, bei Makrofilarien sind die gängigen Anthelminthika "Doxycyclin", "Ronaxan" oder Immiticide®-Spritzen. Der Hund wird in der Regel völlig geheilt.

Wichtig: Dirofilarien kommen leider in letzter Zeit gehäuft vor, bitte lassen Sie Ihren Hund nach ca. 6 Monaten mit Beginn seiner Ankunft unbedingt mittesten.

Ehrlichiose

Die Ehrlichiose wird durch die braune Hundezecke Rhipicephalus sanguineus übertragen, und ist somit eine parasitäre Infektionserkrankung. Leider treibt diese Zeckenart ihr Unwesen nicht mehr nur im Mittelmeerraum, sondern wandert durch die Klimaerwärmung auch schon in Deutschland umher. In der akuten Erkrankungsphase zeigen sich Erbrechen, Atemnot, wiederkehrende Fieberschübe und Nasenausfluss. In der chronischen Phase kommen u.a. Lähmungen, Hornhauttrübungen, Nasenbluten, Nierenschäden und Fieberschübe dazu. Der Erreger setzt sich nach und nach in die Zellen und/oder die roten Blutkörperchen und zersetzt sie. Oft sind die Symptome sind nicht immer klar erkennbar und bleiben daher eher unauffällig.

Die Ehrlichiose kann allerdings recht schnell mit einem Bluttest oder einer Labor-Gewebeprobe diagnostiziert werden. Die anschließende Therapie erfolgt über ca. 4 Wochen mit Antibiotika, wie z.B. Doxycyclin. Die Infektionskrankheit ist somit gut behandelbar und die Hunde sind final frei von den Parasiten.


Babesiose

Wie bei der Ehrlichiose wird auch die Babesiose durch diverse Zeckenarten übertragen. Die Parasiten Babesia canis oder Babesia gibsoni befallen ausschließlich die roten Blutkörperchen, so dass die Krankheit im Volksmund auch häufig "Hunde-Malaria" genannt wird. In der akuten Phase der Erkrankung fiebert der Hunde stark (bis 42° C), verweigert meist die Nahrung und zeigt sich schwach und matt. Die Schleimhäute im Maul und an den Augen sind zudem blass. Bei der chronischen Phase sind die Hunde sehr schwach, haben wiederholte Fieberschübe und sind oft starkt abgemagert.

Eine Diagnose erfolgt auch hier über eine Blutabnahme sowie unterschiedlichste Nachfolge-Untersuchungen. Behandelt wird mit antiparasitären Mittel wie Imidocarb (z.B. Carbesia®-Spritzen), welche direkt auf den Parasiten wirken und ihn abtöten. Eine einmalige Injektionslösung reicht in der Regel aus, je nach Befall wird eine zweite Injektion nach etwa 14 Tagen gegeben. Der Hund ist danach frei von Parasiten und wieder vollständig genesen.


Auszug aus "Streit . PUNKT - die Meinungsseite im Info-Netzwerk Medizin 2000"

Dr. Kubitschek zum Thema Auslands-Tierschutz
-Stellungnahme zu dem im Magazin „Stern“ erschienenen Artikel "Gefährliches Mitleid"

PRO und Contra: die positiven Seiten des seriösen Auslandstierschutzes überwiegen bei weitem die auch vorhandenen Negativaspekte

Hinter der Negativ-Propaganda gegen den Import von Auslandshunden stecken oft wirtschaftliche Interessen von Hundevermehrern - sog. "Züchtern" - oder von Tierheimen die die Konkurrenz fürchten. Bei sehr wohlwollender Betrachtungsweise kann man den von Werner Schmitz im „Stern“ im Zusammenhang mit dem Auslandstierschutz veröffentlichten Artikel „Gefährliches Mitleid“ als ein nachlässig recherchiertes Gemisch aus einseitig ausgewählten Fakten und haltlosen Vorurteilen bezeichnen. Aus Gründen die im Dunklen bleiben, konzentriert sich der Stern-Autor in erster Linie auf die Negativ-Aspekte des Auslandstierschutzes und lässt die vielfältigen positiven Aspekte nahezu unerwähnt. Insbesondere bleiben die alltäglichen institutionalisierten, an blutige Pogrome erinnernden Gräueltaten unerwähnt, die in Ost- und Südeuropa noch immer an der Tagesordnung sind und die einem mitfühlenden Tierschützer den Magen umdrehen und das Herz brechen können.

Wenn ich den Stern-Artikel nachfolgend auf seinen Wahrheitsgehalt, bzw. seine Ausgewogenheit hin untersuche, will ich fairer Weise zuerst auf die Negativ-Aspekte zu sprechen kommen, die jedem informierten Tierschützer ein Dorn im Auge sind, bzw. sein sollten.

Leider kommt es tatsächlich vor, dass skrupellose Geschäftmacher, oder aus der Lebensbahn geworfene ehemalige Tierschützer, unter dem Deckmantel des Auslands-Tierschutzes ihren Geschäften nachgehen. Diesen Zeitgenossen geht es tatsächlich in erster Linie - oder sogar ausschließlich - um ihre finanziellen Vorteile. Sie sind an der schnellen Mark und nicht am Wohlergehen der gequälten Tiere interessiert. Bei diesem "Pseudo-Tierschutz" nehmen die "Geschäftsreisenden in Tierelend" oft weder auf geltendes Recht, noch auf die Belange von Mensch und Tier Rücksicht. Diese Zeitgenossen bringen nicht Hunde nach Deutschland die von Folter und Tod bedroht sind, sondern gesunde Welpen und Junghunde, die nur zum Zweck des Exports ins reiche Deutschland "produziert" wurden. Diese Tiere werden nicht ärztlich untersucht, sind nicht geimpft, tätowiert und/oder gechippt und sind somit Handelsware und keine Tierschutzfälle.

Parallel zu diesem Teilaspekt des Themas hat Werner Schmitz in seinem Stern-Artikel aber gleichzeitig auch „gelogen“, da man bekanntlich durch das Weglassen von Informationen, durch die Einfügung aus dem Zusammenhang gerissene "Experten-Zitate", sowie die einseitige, vorurteilsgesteuerte Auswahl von Fakten, die Unwahrheit sagen, bzw. seinen Lesern vermitteln kann.

"Stern"-Artikel ist einseitig und schadet so den berechtigten Anliegen der Tierschützer - und kann daher viele Hunde das Leben kosten

In seinem vor Einseitigkeit und Voreingenommenheit strotzenden Artikel malte der Journalist ein verzerrtes Bild jener engagierten Tierschutz-Szene, die es sich seit vielen Jahren zum Ziel gesetzt hat, akut von Folter und Tod bedrohte Hunde aus dem Ausland nach Deutschland zu holen, um ihr Leben zu retten und um sie für den Rest ihres Lebens in liebevolle Familienhaltung zu vermitteln. In seinem Artikel übertreibt der Stern-Autor aufgrund seiner Vorurteile die angeblich mit dem Tierimport verbundenen Nachteile und Gesundheitsprobleme maßlos - die für Mensch und Tier positiven Seiten der engagierten Tierschutz-Arbeit lässt er dafür ganz unter den Tisch fallen.

Ahnungslose Expertin wird sinnentstellend zitiert

Damit der Text seriöser wirkt, werden von Werner Schmitz nicht nur Tierärzte zitiert, sondern auch die bekannte, hundeerfahrene Verhaltensforscherin Dr. Feddersen-Petersen. Der international geschätzten Expertin unterstellt der Autor mit dem aus dem Zusammenhang gerissenen Zitat „Warum geht es Pariahunden eigentlich so furchtbar schlecht – weil sie dünn aussehen? Ganz anders als der durchgefütterte Labrador der Familie?“ dass Feddersen-Petersen generell gegen den „Hunde-Import aus Mitleid“ sei. Doch dies ist völliger Unsinn, da Pariahunde überhaupt nicht von Tierschützern nach Deutschland gebracht werden. Sie sind kein Objekt der von Deutschland ausgehenden Auslandstierschutzarbeit.

Pariahunde sind nahezu ohne Menschenkontakt aufwachsende Vorstufen neuer Wild-Hundeformen. Das Wort "Paria" stammt aus dem Indischen und bedeutet "Ausgestoßener". Die Pariahunde entstammen vor allem dem Vorderen Orient und Afrika. Ihre Entwicklung geht auf die Entstehung des Islam zurück, der Hunde - mit Ausnahme von Windhunden - als unrein bewertet, weshalb die Tiere verwilderten und sich untereinander vermischten.

Feddersen-Petersen hat sich daher mittlerweile mit Nachdruck von dem „reißerischen“ (Zitat Feddersen-Petersen ) Stern-Artikel, bzw. den unzulässig verallgemeinernden Aussagen des Artikels, distanziert. Sie wies darauf hin, dass sich ihre Äußerungen ausschließlich auf Pariahunde und nicht auf jene Hunde bezogen, die von engagierten Tierschützern nach Deutschland gebracht werden.

Deutsche Tierschützer helfen im Ausland gefolterten und vom Tode bedrohten Hunden

Doch die für den tendenziellen Artikel missbrauchten Zitate sind weder der einzige, noch der wichtigste Kritikpunkt: bei den im Ausland von engagierten Frauen und Männern geretteten und nach Deutschland gebrachten Hunden handelt es sich weder um die erwähnten Pariahunde, noch in erster Linie um die mageren, aber perfekt an ihre Umwelt angepassten Straßenhunde, die aufgrund ihrer „street-smartness“ jenes freie Leben unter Palmen führen, um das man sie gelegentlich beneiden möchte.

Seriöse Tierschützer betreuen und retten seit Jahren überwiegend jene Hunde, die in südlichen Ländern, bzw. in Ländern des ehemaligen Ostblocks von verrohten Einheimischen skalpiert (Bulgarien) werden, die man mit heißem Teer übergießt (Rumänien), die aufgehängt als Trainingsobjekt sog. „Kampfhunde“ dienen (Spanien), denen man in griechischen Kneipen die Zigaretten im Fell ausdrückt, denen man die Pfoten „zum Spaß“ abhackt, Ohren abschneidet und die beispielsweise in Spanien zu Tausenden – wenn sie als Jagdhunde "versagen", bzw. wenn die Jagdsaison vorbei ist – im Wald so an Drahtschlingen aufgehängt werden, dass sie noch einige Stunden, oder auch Tage auf den Hinterbeinen balancierend überleben - die spanischen Jäger lassen ihre treuen vierbeinigen Jagdgenossen massenhaft "tanzen" - wie sie sagen..

Und natürlich versuchen die seriösen deutschen Tierschützer auch zumindest einen Teil jener bedauernswerten Hunde zu retten, die von den lokalen Behörden mit der perversen Absicht den Touristen "saubere und hundefreie Städte" bieten zu können, in Hunde-Konzentrationslagern zusammengepfercht werden, um nach Tagen oder Wochen in Nacht-und-Nebel-Aktionen mit Schraubenziehern erstochen, mit Eisenstangen erschlagen oder mit Gas, bzw. Giftspritzen ermordet zu werden.

Auf dieser Extra-Seite finden Sie weitere Bilder, die die Exzesse dokumentieren, denen Hunde im europäischen Ausland massenhaft ausgesetzt sind. Oft werden die widerwärtigen Verbrechen von Sadisten im Auftrag oder mit Duldung der lokalen Polizei- und Ordnungsbehörden begangen. All dies, und vieles mehr, wurde im Internet mit zahllosen Fotos dokumentiert und hätte bei einer gründlichen Internet-Recherche auch ohne Aufwand vom Stern-Autor Werner Schmitz gefunden werden können.

Der seriöse Auslandstierschutzes hat also einen ethisch-moralischen Wert an sich - völlig losgelöst von den abzulehnenden Verhaltensweisen der als "Tierschützer" getarnten Hundehändler der Tierschutzszene. Angesichts der jedem Tierschützer bis zum Erbrechen bekannten Hunde-Massaker die Jahr für Jahr Zehntausende von Tieren das Leben kosten und jeweils bei deutschen Tierschützern Tausende von Protestbriefen ausgelöst haben, ist es besonders abstoßend wenn sich der Stern-Autor über "herzzerreißende und hanebüchene Leidensgeschichten" lustig macht, die seiner Meinung nach frei erfunden sind, um den Verkauf der Hunde zu fördern.

"Wilder" Eigenimport von Hunden ist ein unbedeutender Nebenaspekt

Die akut von ihrer Ermordung bedrohten Tiere sind die eigentlichen Ur-Zielgruppen, um die sich nicht kommerziell motivierte Tierschützer kümmern. Der aufgrund von Formfehlern „illegale“ Import von Hunden auf „eigene Kappe“ - durch weichherzige, aber schlecht informierte und naive Urlauber - ist hingegen von der Dimension her ein nahezu belangloser Nebenaspekt des Themas Auslandstierschutz.

Wenn nun in Deutschland irgendwelche Geschäftemacher beobachten, dass selbst Hunde vermittelt werden können, denen beispielsweise auf Mallorca bei Verkehrsunfällen ein oder gar zwei Beine abgefahren wurden, dann entwickeln sie schnell eine clevere „Geschäftsidee“. Dieses perverse Verhalten der Trittbrettfahrer hat aber rein gar nichts mit den seriösen Bemühungen der „echten“ Tierschützer zu tun.

Schließlich kommt man ja auch nicht auf die Idee, jene europäischen oder nordamerikanischen Familien böswillig als verkappte Kinderschänder zu diffamieren, die aus Entwicklungsländern stammende Kinder adoptieren. Auch hier kommt es aber leider in Ausnahmefällen vor, dass die kleinen Mädchen und Jungen in Kinderbordellen landen.

Artikel wurde durch persönliche Vorurteile geformt

Will man sich als Journalist mit diesem brisanten Tierschutz-Thema beschäftigen, so kann man zwei diametral entgegen gesetzte Positionen beziehen: man kann sich einmal überwiegend auf die Schattenseiten dieser Auslands-Tierschutz-Szene einschießen, indem man die Machenschaften jener skrupellosen, am Tierschutz nicht im geringsten interessierten Trittbrettfahrer des "Tierschutzes" bloßstellt, die unter Ausnutzung gutgläubiger Tierfreunde - und mit minimalem Eigenaufwand - ungeimpfte und/oder kranke Tiere nach Deutschland schmuggeln, um mit diesen hier eine schnelle Mark zu machen. Hebt man nur diese Schattenseiten hervor, so schadet man aber automatisch den hoch motivierten "echten" Tierschützern und den auf sie angewiesenen hilflosen Tieren.

Diese einseitige Negativ-Position wird übrigens gerne von geschäftstüchtigen deutschen Hundevermehrern und den mit ihnen verbandelten Tierärzten eingenommen. Immerhin mindert jeder importierte Billig-Hund die Absatzchancen für die überteuert angebotenen "Rassehunde" aus Massenproduktion.

Organisierter Tierschutz ist meist ein zeitaufwändiges und teures "Hobby"

Ein verantwortungsbewusster Journalist könnte und sollte aber auch mit Empathie und Verständnis über jene Tierschützer berichten, die - bis hin zum riskieren ihrer eigenen Gesundheit und Sicherheit – akut vom Tode bedrohte Tiere aus meist südländischen Hunde-KZ´s retten und unter erheblichem Finanzeinsatz bereits im Ausland tierärztlich versorgen lassen, um sie dann - gelegentlich auf eigene Kosten – nach Deutschland in eine relative Sicherheit ausfliegen zu lassen.

Hier angekommen werden die verstörten und verängstigten Tiere - oft auf unbestimmte Zeit – in ehrenamtlich tätigen Pflegefamilien weiter tierärztlich versorgt und resozialisiert, um sie schlussendlich – wenn alles gut geht – in ein liebevolles Heim zu vermitteln, wo sie Familienanschluss genießen. Die von seriösen Tierschützern geretteten Tiere werden im Regelfall mit großem Aufwand aufgepäppelt um dann kastriert, entwurmt, tätowiert, gechippt und geimpft abgegeben zu werden, um ihr weiteres Leben in mitteleuropäischen Familien zu verbringen.

Die "Schutzgebühr" deckt nur selten die entstandenen Kosten ab

Es leuchtet jedem gutwilligen Beobachter sofort ein, dass Tierschutz allgemein und Auslandstierschutz im Besonderen finanziell immer ein hoffnungsloses Zuschussgeschäft ist und sein wird. In einer deutschen Großstadt deckt die Abgabegebühr bei weiblichen Tieren oft nicht einmal die vom Tierarzt in Rechnung gestellte Kastrationskosten ab. Und die anderen Leistungen wie impfen, entwurmen und chippen gibt es dann gratis dazu.

Während sich die im Artikel zitierte Abgabegebühr von 220 Euro für kriminelle Pseudo-Tierschützer – brutto für netto – übers Jahr vermutlich tatsächlich zu einem saftigen Gewinn aufaddieren kann, wenn sie alle zwei Wochen im VW-Bus 30 Hunde über die grüne Grenze schmuggeln, sieht die Bilanz bei den „echten“, nicht-kommerziell motivierten Tierschützern naturgemäß völlig anders aus.

In diesen Fällen muss man nämlich bedenken, dass es sich bei der Gebühr nicht etwa um einen Profit abwerfenden „Verkaufspreis“ handelt, sondern vielmehr um eine vertraglich vereinbarte „Schutzgebühr“, die die tatsächlich bereits angefallenen Kosten meist nur teilweise abdeckt. Dieser Begriff „Schutzgebühr“ sagt ansonsten keineswegs, dass das Geld die Tierschützer vor der drohenden Verarmung schützen soll – was übrigens auch sehr sinnvoll wäre. Die „Schutzgebühr“ ist vielmehr das einzige praktikable Mittel, um die abzugebenden Hunde davor schützen, von verdeckt arbeitenden „Lockfamilien“ aufgenommen und gewinnbringend weiterverkauft zu werden – beispielsweise an Labors, die Tierversuche durchführen oder als Trainingsobjekt für sog. "Kampfhunde".

Manche Tierheime sehen im Auslands-Tierschutz eine wirtschaftliche Konkurrenz

Wenn deutsche Tierheime Hunde gelegentlich billiger abgeben – was im Regelfall aber nicht der Fall ist – dann liegt dies daran, dass es Institutionen gibt, die aufgrund von Erbschaften zu Geld gekommen sind. In diesen Fällen kann es vorkommen, dass die schnelle Vermittlung der Hunde in eine für geeignet befundene Familie höher bewertet wird als der Sicherheitsaspekt. Eine „Schutzgebühr“ sollte - logischerweise - aber immer so hoch sein, dass sich der Weiterverkauf der schutzlosen Tiere für die als Tierfreunde getarnten Hundehändler finanziell keineswegs lohnt.

Bei den „echten“ Tierschützern werden die anfallenden Kosten im Regelfall nur zum Teil durch diese „Schutzgebühren“ abgedeckt. Oft wird sogar ein Teil der ohnehin schon sehr niedrigen Gebühr an die ausländischen Tierschützer weitergereicht, die meist in großer Geldnot sind. Nicht selten zieht aktiver Tierschutz für weichherzige Tierschützer die nicht Nein sagen können gravierende wirtschaftliche Probleme nach sich - gelegentlich wird sogar die bürgerliche Existenz dieser gefühlvollen Idealisten durch die tierschutzbedingte Schuldenlast vernichtet. Diese Anmerkungen sind jener Teil der Wahrheit, den Werner Schmitz bedauerlicherweise in seinem im Stern erschienenen Artikel ganz unter den Tisch fallen ließ.

Deutsche Tierheime können den Bedarf an familientauglichen Hunden oft nicht decken

Nicht erwähnt wird in dem Stern-Artikel auch die Tatsache, dass deutsche Tierheime sehr oft nicht in der Lage sind, den „Möchte-gern-Hundehaltern“ jene Tiere zu vermitteln, die sich diese aufgrund ihrer Lebensumstände wünschen. In vielen Tierheimen leben überwiegend große Hunde wie Rottweiler, Dobermänner und Schäferhunde, die außerdem aufgrund von typischen Rassemerkmalen und langjähriger Inhaftierung Verhaltensstörungen entwickelt haben und somit kaum für eine Vermittlung in Familien mit kleinen Kindern oder zu Senioren in Frage kommen.

Daher sind die im Ausland aus Tötungsstationen gerettete Hunde oft aufgrund ihrer geringen Körpergröße und ihres freundlichen, menschenbezogenen Wesens für diese deutschen Tierfreunde die einzig gangbare Alternative, da sie sich keinen teuren Rassehund leisten können - oder aufgrund von Tierschutzüberlegungen kaufen wollen. Die im Ausland geretteten Hunde sind somit aufgrund ihrer oft guten Sozialisation als anspruchslose und anpassungswillige Familienhunde geeignet.

Wenn der Autor den Tierarzt Fikuart mit dem Satz zitiert: " Die Tierheime bleiben auf dem Restmüll der Importvereine hängen" dann ist dies eine weitere Verdrehung der Tatsachen, bzw. eine Halbwahrheit. Es ist kein Geheimnis, dass ein großer Teil der Hundehalter weder in der Lage ist die eigenen Kinder zu erziehen, noch gar die Familienhunde. Sie werden dann weder mit einem vom "Züchter" gekauften Hund fertig, noch mit einem Hund der aus einem deutschen Tierheim stammt. Diese nicht oder kaum erzogenen Hunde landen dann in den Tierheimen und finden keine neuen Halter. Selbstverständlich sind die für eine Hundehaltung ungeeigneten Zeitgenossen auch mit den aus dem Ausland eingeführten Hunden überfordert. Doch dies liegt ausschließlich an den Tierhaltern und nicht an den Hunden. Nebenbei bemerkt: Hunde sind niemals "Restmüll". Das ist die Sprache der Unmenschen.

Allerdings muss an dieser Stelle unbedingt betont und wiederholt werden, dass das Gesagte ausschließlich für den korrekt durchgeführten Auslandstierschutz gilt. Werden der Transport der Hunde nach Deutschland und die anschließende Vermittlung "mit der heißen Nadel gestrickt" - werden die Tiere also ohne seriöse Vor- und Nachkontrollen an den ersten besten Interessenten abgegeben, so wäre es vermutlich in der Tat oft besser sie würden nicht aus der gewohnten Umgebung herausgerissen. Dann kommen sie nämlich vom ausländischen Regen in die deutsche Traufe.

Der "Stern" hat in der Vergangenheit so manche publizistische Schlacht für die Rechte der Tiere geschlagen

Da der „Stern“ in früheren Jahren immer wieder sehr engagiert Tierschutz-Themen aufgegriffen und publiziert hat, kann man der Redaktion natürlich nicht pauschal vorwerfen, dass sie den Qualen unserer vierbeinigen Mit-Lebewesen gleichgültig gegenüber zu steht. Es ist somit ganz sicher eine von persönlichen Vorurteilen gesteuerte Sicht der Dinge, die dem Autor Werner Schmitz die Feder geführt hat.  Das Thema Tierschutz und die Zuneigung zu Hunden bewegt ansonsten in Deutschland viele Menschen in ähnlicher Weise wie einst den deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer, der über unser Mit-Lebewesen Hund aufgrund lebenslanger eigener Erfahrung so geurteilt hat: „Woran sollte man sich von der endlosen Verstellung, Falschheit und Heimtücke der Menschen erholen, wenn die Hunde nicht wären, in deren ehrliches Gesicht man ohne Misstrauen schauen kann?“

Für die Mehrzahl der „echten“ Tierschützer ist der „Wert“ eines Hundelebens daher prinzipiell mit jenem eines Menschenlebens vergleichbar. Die etwas anders geartete Intelligenz der Tiere ist für sie kein Grund, deren Leiden zu ignorieren, bzw. das Wirken ihrer Helfer ins Zwielicht zu zerren. Hier kann man sich nur Friedrich dem Großen, König von Preußen, anschließen der sagte: "Hunde haben alle guten Eigenschaften des Menschen, ohne gleichzeitig ihre Fehler zu besitzen."

Deutsche Strassen für deutsche Hunde?

Aus der Sicht von vernunftgesteuerten Tierschützern ist es ansonsten durchaus legitim - und der Motivation der Tierfreunde eher dienend - sich selbstkritisch die Frage zu stellen, ob es tatsächlich sinnvoll ist, Hunde unter Tierschutzaspekten aus dem Ausland nach Deutschland zu bringen. Möglicherweise ist es viel sinnvoller, den Tierschutz vor Ort nachhaltig finanziell zu unterstützen. Immer wieder werden Tierschützer bei ihrer Arbeit mit Meinungen konfrontiert, die man unter dem Motto „Deutsche Strassen für deutsche Hunde“ subsumieren könnte. In diesem Zusammenhang ist es somit auch vertretbar, sich selbst die Frage zu stellen, ob man vielleicht tatsächlich deutschen Hunden mehr helfen sollte als beispielsweise Hunden, die in Rumänien oder der Türkei leben und leiden.

Während es unter entwicklungsbiologischen Gesichtspunkten logisch und sinnvoll ist, den Nachkommen jener Menschengruppe den uneingeschränkten Vorzug einzuräumen, zu der man selbst gehört – immerhin reduziert sich der „Sinn“ des menschlichen Daseins letzten Endes darauf, seine eigene Erbmasse wie bei einem Stafettenlauf weiter zu reichen – kann dieser Gesichtspunkt auf die mit uns „befreundeten“ Tiergattungen nicht übertragen werden. Beim Menschen ist es eher kontraproduktiv - und in gewissem Sinn sogar „widernatürlich“ - wenn man sich zu sehr um den Nachwuchs der biologischen Konkurrenz kümmert. Dieser Gesichtspunkt wäre – wie bereits angedeutet - beim Umgang mit nicht-menschlichen Lebensformen sinnlos, da ein griechischer Hund mit einem deutschen Menschen nicht weniger verwandt ist, als ein Pudel, der sein ganzes Hundeleben in Dortmund verbracht hat.

Hilft ein Tierschützer also zuerst einem in einer spanischen Tötungsstation einsitzenden Galgo-Jagdhund, so ist dies für die Vielfalt, oder den Weiterbestand des „deutschen“ menschlichen Genpools von keinerlei Bedeutung. Logisch: zuerst muss natürlich den Hunden geholfen werden, deren Leben akut bedroht ist. Will man also die naheliegende Frage „Sollen wir unter dem Gesichtspunkt des Tierschutzes Hunde aus dem Ausland nach Deutschland holen, obgleich es auch hier viel Tierelend gibt?“ beantworten, so kann es nur eine rational nachvollziehbare Antwort geben: “Wir helfen selbstverständlich jenen Hunden zuerst, denen es in diesem Moment besonders schlecht geht, bzw. jenen, die gefoltert werden und deren Tod von den zuständigen Behörden bereits angeordnet ist.“

Spanische Windhunde (Galgos) warten auf ihren baldigen qualvollen Tod

Dies trifft unter dem Gesichtspunkt der Praktikabilität und Kosteneffizienz besonders auf jene Hunde zu, die in den ost- und südeuropäischen Ländern, bzw. den europäischen Randgebieten der Türkei leben und völlig ohne Schutz leiden. Hunde die in China für den menschlichen Verzehr vermehrt und aus kulinarischen Gründen lebend in kochendes Wasser geworfen werden, können schon aus wirtschaftlichen Gründen kein erstrangiges Ziel unserer praktischen Tierschutzarbeit sein.

Im internationalen Vergleich geht es deutschen Hunden relativ gut

Natürlich gibt es auch in Deutschland viel Tierelend - damit sind wir täglich konfrontiert. Dieses Elend ist aber - von bedauerlichen Ausnahmen einmal abgesehen – viel weniger dramatisch als die Situation vieler im Ausland lebenden Hunde.

Während in manchen ausländischen Tierauffangstationen „mal eben “ am Nachmittag Dutzende von gesunden Hunden jedes Alters, jeder Größe und beiderlei Geschlechter mit Eisenstangen oder Schraubenziehern erschlagen bzw. erstochen werden, tut sich ein deutscher Amts-Tierarzt sehr schwer damit, eine einzige Euthanasie juristisch einwandfrei durchzusetzen.

Es kann einem Hund also im internationalen Vergleich auf sehr unterschiedliche Weise schlecht gehen.

"Flugpaten" leisten einen wichtigen Beitrag zum Tierschutz

Wenn sich tierliebe Urlauber zur Verfügung stellen, um als „Flugpaten“ ordnungsgemäß geimpfte, und von engagierten Tierschützern bis unmittelbar vor dem Abflug und gleich nach der Landung in Deutschland betreuten Hunden zu einem neuen Leben zu verhelfen, dann verdient dies unsere uneingeschränkte Hochachtung, unseren Dank und unsere moralische Unterstützung. Der Vergleich mit Drogenkurieren ist bösartig und geschmacklos, da nichts dafür spricht, dass die Mehrzahl der Flugpaten nicht genau weiß, worauf sie sich einlassen. Außerdem ist der Besitz von Hunden im Gegensatz zum Drogenbesitz nicht strafbar. Die Leistung eines „Flugpaten“ beschränkt sich außerdem darauf, dass er einwilligt, einen mit allen erforderlichen Papieren ausgestatteten Hund (!) als sein persönliches „Reise-Gepäck“ zu deklarieren. Dies führt dazu, dass der Hund zu deutlich geringeren Kosten nach Deutschland gebracht werden kann, als wenn er unbegleitet als „Fracht“ reisen müsste. Keiner der Beteiligten hat dadurch einen erwähnenswerten Nachteil.

Im Vergleich zu anderen Gesundheitsrisiken des täglichen Lebens sind die theoretisch vom Hundeimport ausgehenden Gefahren minimal

Und schließlich muss noch die Frage untersucht werden, ob das Mitleid der Tierfreunde tatsächlich gefährliche Folgen für die Gesundheit von Mensch und Tier haben kann. Betrachten wir zuerst die Frage der angeblichen Leishmaniose-Gefahr. Entsprechend der generell mangelhaft durchgeführten Recherche für diesen Stern-Artikel sind auch die zu diesem Punkt gemachten Aussagen böswilliger Unfug. Zwar trifft es zu, dass ein erheblicher Teil der in südlichen Ländern lebenden Hunde Kontakt zu Parasiten der Leishmanien-Familie hatte – und daher oft einen erhöhten entsprechenden Blut-Titer aufweist – doch das gleiche trifft auch auf die in diesen Ländern lebenden Menschen zu.

Derzeit sind nach Aussage der WHO etwa 12 Millionen Menschen in 88 Ländern auf allen Kontinenten (mit Ausnahme von Australien) mit Leishmanien infiziert. Pro Jahr gibt es weltweit zwischen 1,5 bis 2 Millionen Neuerkrankungen. 350 Millionen Menschen leben weltweit mit dem täglichen Risiko, sich mit den Parasiten zu infizieren. Die Infektionsrate ist prozentual gesehen für die im Süden lebenden Mensch und Hunde nahezu identisch.

Hunde sind keine gefährlichere Infektionsquelle als einreisende Menschen

Wollte man hieraus also einen Einreisestopp nach Deutschland ableiten, so müsste dieser logischerweise in gleicher Weise für infizierte Hunde und Menschen gelten. Doch dies wird aus gutem Grund nicht so gehandhabt, da eine Übertragung von Leishmanien von Mensch zu Mensch oder von Hund zu Hund nicht möglich ist – und schon gar nicht von Mensch zu Hund oder umgekehrt. Eine Übertragung von Leishmanien setzt nicht nur den Biss einer ihrerseits mit Leishmanien infizierten Sandmücke voraus, sondern auch ein noch schwach entwickeltes und/oder geschädigtes Immunsystem.

Selbst in den südeuropäischen Endemiegebieten werden Infektionen mit Leishmanien, bzw. Erkrankungen an Leishmaniose , nahezu ausschließlich bei Kindern im Alter von bis zu drei Jahren beobachtet. Es ist nahezu überflüssig zu sagen, dass tödliche Verläufe bei Menschen nur sehr selten beobachtet werden. Auch bei Hunden sind Todesfälle, die mit oder ohne tierärztliche Behandlung vorkommen, alles andere als der Normalfall. Manche deutsche Tierfreunde leben mit mehreren Leishmaniose-positiven Hunden zusammen, ohne dass daraus reale Probleme erwachsen.

Tatsächliche Gefahren sind auf sehr seltene Ausnahmefälle beschränkt

Die auf Auslands-Tierschutz spezialisierten Organisationen lassen die geretteten Hunde routinemäßig bereits im Ausland von Tierärzten testen und legen den Flugpaten, bzw. den in Deutschland lebenden Interessenten, die ärztlichen Atteste vor, die besagen „Der Hund ist Leishmaniose-frei“. Und bei Tollwut ist Infektionsgefahr nur theoretisch gegeben. Sie lässt sich durch eine Grenzkontrolle "nach Vorschrift" nahezu auf Null reduzieren.

Da selbst ein erhöhter Blut-Titer nicht automatisch bedeutet, dass das betreffende Tier tatsächlich an Leishmaniose erkrankt ist – leichte und symptomarme Verläufe oder auch Spontanheilungen nach Kontakt mit den Parasiten sind möglich – ist auch ein nachgewiesener erhöhter Leishmaniose-Bluttiter kein Grund dafür, einen von Folter, Mord und Totschlag bedrohten Hund nicht in die eigene Familie aufzunehmen. Eine Infektion der eigenen Kinder, oder vorhandener Familienhunde ist normalerweise nicht zu befürchten.

Bei einer an Fakten orientierten Risikobewertung wird man daher nahezu zwangsläufig zu dem Schluss kommen müssen, dass in Deutschland für kleine Kinder beispielsweise das Risiko an Leishmaniose zu erkranken oder gar zu sterben deutlich geringer ist, als das Risiko von der eigenen Mutter ermordet zu werden – was bekanntlich auch nicht so häufig passiert.

Das Tollwutrisiko ist noch geringer als das minimale Risiko an einer Leishmaniose zu erkranken

In dem Artikel „gefährliches Mitleid“ wird schließlich noch die „Trumpfkarte“ Tollwut aus dem Ärmel gezogen, indem der im Ruhestand befindliche Veterinärdirektor Karl Fikuart mit der epochalen Erkenntnis zitiert wird, dass ausgebrochene Tollwut beim Menschen immer tödlich verläuft. Das stimmt tatsächlich. Ebenso könnte man aber auch sagen, dass es absolut tödlich ist wenn man ohne Fallschirm aus einem Flugzeug fällt, das in einer Höhe von 10.000 Metern fliegt. Derartige Aussagen machen nämlich nur dann Sinn, wenn man sofort hinzugefügt, dass das Tollwut-Risiko in Deutschland - mit lediglich 1-3 Todesfällen pro Jahr – ähnlich gering ist wie die Wahrscheinlichkeit ohne Fallschirm aus einem Flugzeug zu fallen.

Aufgrund dieses verschwindend kleinen Risikos attestiert der Impfstoffhersteller „Chiron Vaccines“ auch allen in Frage kommenden südeuropäischen Ländern ein „niedriges Tollwut-Infektionsrisiko“. Wie immer im Leben macht also auch im Fall des Auslands-Tierschutzes nur eine vernünftige Einordnung des durch Hundeimporte bedingten zusätzlichen Risikos Sinn. Denn es ist einige tausend Mal wahrscheinlicher, dass ein Deutscher vom Blitz, bzw. einem abstürzenden Hubschrauber erschlagen wird - oder aufgrund von Passivrauchen zu Tode kommt- als durch eine Tollwutinfektion, die von einem aus dem europäischen Ausland eingeführten Hunde verursacht wurde. Es ist durchaus vorstellbar, dass dies noch nie wirklich passiert ist.

Auf viele der im Ausland tätigen deutschen Tierschützer kann jeder Deutsche stolz sein

Ein vernunftbegabter Tierfreund, bzw. ein potentieller "Flugpate", wird sich also keineswegs aufgrund der einseitigen Aussagen des Stern-Artikels „Gefährliches Mitleid“ davon abhalten lassen, das zu tun, was ihm sein Gewissen vorschreibt. Ein schlechtes Gewissen ist ohnehin viel eher angebracht, wenn man aus dem Ausland per Flugzeug zurückkehrt ohne dass man ein oder zwei Hundeleben gerettet hat.

Somit sollte man sich insbesondere bei der emotionalen Bewertung der aufopferungsvollen Arbeit der im Auslands tätigen deutschen Tierschützer von der Meinung einer Ikone des deutschen Kulturerbes leiten lassen, der man auf diesem Gebiet einen gewissen "Expertenstatus" kaum absprechen kann.

Der weltweit bekannte deutsche Zoologe Alfred Brehm („Brehm´s Tierleben“) charakterisierte die von unserer Liebe und Fürsorge abhängenden vierbeinigen Freunde so: „Kein einziges Tier der ganzen Erde ist der vollsten und ungeteiltesten Achtung, der Freundschaft und Liebe des Menschen würdiger als der Hund.“

Dr. med. Jochen Kubitschek
Arzt und Wissenschaftsjournalist

 

 

 

 

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